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Das ist das Haus vom Nikolaus

Zur Arbeitsweise

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Photo: Ursula Helfer 1991

Der Film wurde auf einer Askania-Z Kamera aus den dreissiger Jahren gedreht, fast ausschließlich in Einzelbildtechnik. Bei den Objektiven hatte ich zwei Brennweiten zur Verfügung, eine 35mm und eine 50mmOptik.Die Askania-Z ist eine Kombination aus Trick und Normalkamera und erlaubt Bildfrequenzen bis zu 40 Bildern in der Sekunde. Sie kann mit einer Handkurbel oder mit Einzel- oder Dauerbildmotor angetrieben werden, die man von Aussen an die Kamera angesetzt.Durch die offenliegende Konstruktion erlaubt sie alle möglichen Manipulationen an Filmtransport und Objektiven.Die Scharfstellung erfolgt direkt auf dem Film. Dieser Umstand macht es möglich, bereits entwickelte Filmbilder einzulegen und so für mehrschichtige Aufnahmen die Positionen der bereits gedrehten Teile mit der anstehenden Aufnahme abzustimmen. Als Aufnahmematerial benutzte ich Orwo Pf2. Pf2 ist unsensibilisierter, das heißt, nur für blaues Licht empfindlicher Schwarz-Weiss-Film. Normalerweise wird er nur als Kopierfilm benutzt.Die Empfindlichkeit schwankt mit der Lichtfarbe und liegt bei Tageslicht bei ca 12 Din, bei Kunstlicht bei ca.6 Din. Der Film besitzt keine Lichthofschutzschicht und keine Farbmaske. Für die Bildkombinationen verwandte ich Aufprojektion, Bipack-Kopierung, Mehrfach-kopierung, Mehrfachbelichtung in der Kamera, Modelltrick und Kombinationen aus mehreren Verfahren in einem Bild.Für die Aufprojektionen hatte ich einen 16mm- Bauer-Pantason Projektor mit einem Einzelbildmotor versehen und über Mikroschalter mit der Kamera synchronisiert. Als Objektiv nahm ich ein Zeiss-Zoom 12.5-100mm. Diese Konstuktion habe ich nur für die Experimente vor den eigentlichen Dreharbeiten und für das erste Bild im Film verwandt. Für alle anderen Aufprojektionen hatte ich den Kopf eines 35mmProjektor unbekannter Marke von etwa 1910 mit einem Lampenhaus eines Diaprojektors versehen und ebenfalls auf einzelbildweisen Filmtransport umgebaut. Als Projektionsoptik hatte ich ein 50mm-Objektiv russischer Herkunft.Als Licht hatte ich vier Bauscheinwerfer á 500 Watt, zwei Photolampen á 2000 Watt, zwei Theaterscheinwerfer mit Stufenlinsen á 1000 Watt und einen Fluter á 2500 Watt.Stoppzähler und Zeitrafferschaltkasten aus Teilen vom Offenbacher Flohmarkt.Kamera, Projektor, Aufprojektionsfolie und halbdurchlässiger Spiegel geliehen von Helmut Herbst.

Der Film ist ein No-Budget-Film. Bzw fast, denn während der Experimentierzeit erhielt ich ein Stipendium der Mosbachstiftung.Die von mir verwendeten Tricktechniken wären ungeheuer kostspielig geworden, wenn ich während der langen Experimentier- und Drehzeit mit professionellen und modernen Trickprojektoren und Kameras gearbeitet hätte. Die Aufprojektionsinstallation habe ich mir deswegen selbst hergestellt, aus ausrangierten und ausgeschlachteten Teilen.In der Planungs- und Bastelphase hatte ich noch den alleskönnenden Spezialspezialprojektor im Sinn, der wechselweise zum optischen Kopieren und für Aufprojektion geeignet sein sollte, für Einzel- Und Dauerbildbetrieb.Angesichts der Realitäten und den Grenzen meiner Bastelfähigkeit wurden die teilweise gigantomanischen technischen Ideen immer bescheidener und der technokratische Wildwuchs reduzierte sich auf das Notwendige.In diesem Sinne war der Film eine Forschungsarbeit, dessen Ziel die Entwicklung einer differenzierte Bildsprache ist, wobei Caspar Stracke ganz richtig bemerkte, das jeder Film eine Forschungsarbeit sei.Die Schwierigkeit bei dem Unterfangen, verschiedene Apparate miteinander zu verkoppeln ist, daß die Einzelteile nicht zusammenpassen und so Adaptionen notwendig sind.Die Ideen mögen einfach erscheinen, der Teufel steckt jedoch im Detail.

Die Aufprojektion machte so eine ganze Reihe von Wandlungen durch.Vom Versuch, eine 16mm-Bolex-Kamera mitttels Kegelradgetriebe mit dem 16mm-Pantason-Projektor zu verkoppeln, um so unter Umgehung teurer quarzgesteuerter Motoren die Sychronizität beider Geräte bei jeder Gangzahl zu gewährleisten.Bis zur 35mm-Aufpro mit 35mm Kamera mit einzelbildweiser Aufnahme und ganz einfacher Sychronisation mittels Mikroschalter, indem das langsamere Gerät dem schnelleren einen Impuls gibt, wenn es seine gemächliche Umdrehung vollendet hat. Das war sozusagen die Neuerfindung des Rades, denn eine solche Schaltung befindet sich in der optischen Bank von Krass.Da ich fast die ganze Zeit sowohl die Kamera bedient als auch beide Rollen gespielt habe, konnte ich keine Kamerabewegungen ausführen. Dies hätte ohnehin einen erhöhten technischen Aufwand bedeutet, da sich mit der Aufprojektionstechnik, wie ich sie verwendet habe, gar nicht schwenken ließ. Ich habe alle wunderhübschen technischen Ideen immer wieder auf ihre inhaltliche Wirkung und auf ihre Funktion in der Geschichte untersucht .Das führte zu einer Vereinfachung der Arbeitsweise.Da das Filmmaterial eine sehr geringe Toleranz in der Belichtung hat, sie liegt bei ca.einer drittel Blende, hatte ich von jeder Einstellung zuerst eine Blendenreihe gemacht, den Streifen in einer Photospule entwickelt und im Zweifelsfall noch einen Photoabzug gemacht.Danach habe ich dann das Licht korrigiert und eventuell das ganze Verfahren nochmal von vorne. Die Szenenlänge betrug in den meisten Fällen ca 30 sec. Diese Länge ergab sich aus der Art der Filmentwicklung, da die russische Entwicklungsspule, die ich hatte, nur 15 meter Film fasst.

Die Entwicklung in Birkert fand in Eimern aus einem Gartenbedarfsladen statt, die Temperierung bestand aus einem Schaltrelais einer ausgemusterten Filmentwicklungsmaschine der HfG und einem Tauchsieder. Das Ganze stand in einem grossen Bottich. Getrocknet habe ich die Filme auf einer selbstgebastelten Trockentrommel.Auf diese Weise ist etwa ein Viertel des Films entstanden. Durch die Enge der Dachkammer in Birkert verlor ich jedoch zuviel Zeit und Energie.

Der Rest des Films ist deswegen im Videostudio der HfG entstanden,entwickelt habe ich dann auf der Omag-Entwicklungsmaschine, kopiert auf einer nagelneuen optischen Bank der Firma Crass. Der ganze Film ist optisch kopiert.

Den Würfel habe ich nur zur Hälfte in Originalgröße gebaut, und nur die Innenseite.Auf dem obenstehenden Photo ist eine der Kulissenwände von "Aussen" zu sehen. Sie besteht aus Presspappe und Dachlatten. Bei der Auswahl der Kostüme und Requisiten habe ich nach Gegenständen gesucht, die für mich Prototypen ihrer Art sind.Bei dem Tisch, der über eine durchgehende Schublade verfügen sollte, fand ich nichts Passendes und habe ihn deswegen selbst gebaut. Bei den Tassen und den Eierbechern brauchte ich gleiche Exemplare in verschiedenen Grössen, die ich für verschiedene Tricks einsetzen wollte.Meine Tante Karin Garmsen hat sie für mich hergestellt.


Die spezielle Charakteristik der Bewegung der Personen im "Nikolaus-Film" entsteht durch die einzelbildweise Aufnahme.Die Kamera machte etwa ein Bild pro Sekunde, die dann aber mit 24 Bildern in der Sekunde abgespielt werden.Für den Schauspieler heißt das, er muß sich 24 mal langsamer bewegen als normal, um auf eine "normale" Geschwindigkeit zu kommen. Für die ca 30 Sekunden, die die meisten Einstellungen dauerten, mußte ich also 12 Minuten spielen. Dabei passieren dann natürlich Ungenauigkeiten, die die ruckartigen Bewegungen erzeugen.Die langsame Bildfrequenz bei der Aufnahme hatte verschiedene Gründe. Die Aufprojektion mußte zur Erweiterung der Trickmöglichkeiten einzelbildweise laufen. Mir standen für die Askania-Kamera ein Einzel- und ein Dauerbildmotor zur Verfügung, ein weiterer Einzelbildmotor war noch übrig. Der übriggebliebene Einzelbildmotor wurde an den Projektor gefummelt. Ich hatte mir in den Kopf gesetzt, soviel wie möglich aus vorhandenen Mitteln zu schöpfen und war mit dem Geld sehr knauserig.Da das Filmaterial lediglich 6 din bei Kunstlicht erreicht und durch den halbdurchlässigen Spiegel eine Blende verloren geht, mußte ich mit 3 din Empfindlichkeit auskommen. Um auf eine Blende 5,6 zu kommen, die ich immer zu erreichen versuchte, hätte ich bei 24 Bildern in der Sekunde ungeheuerlich viel Licht benötigt.Statt 10 nämlich 240 Kilowatt.

Das hätte realistisch gesehen bedeutet, bei Sonnenlicht zu drehen. Die Idee habe ich ganz schnell aufgegeben.Als weiteres hätte es einen Bruch der Erzählform bedeutet, die Geschwindigkeit inhaltlich nicht motiviert zu verändern. Die Normalgeschwindkeit habe ich nur bei den Vögeln und den Flugzeugen, beim Aufschlagen des Frühstückseis und dem Sturz der Kuh eingesetzt.Ausserdem machen mich schnellaufende Kameras ganz furchtbar nervös.

Der erste Einzelbildprojektor, den ich aus dem 16mm Bauer-Pantason-Projektor gemacht hatte, hat nie besonders gut funktioniert. Das Licht war zu schwach und ließ sich schlecht umbauen, da das Lampenhaus ziemlich ungünstig im Projektor verschachtelt ist. Der Film verbog sich vor Hitze. Der Bildstand war schlecht.Der Projektor war ziemlich unhandlich und Kamera und Projektor standen auf getrennten Stativen. Das millimetergenaue Einrichten der Aufprojektion mußte für jede Aufnahme neu gemacht werden, was ziemlich viel Nerven und Zeit verbrauchte.Die einzige Aufnahme mit diesem Projektor, die im Film geblieben ist, ist das erste Bild, der Sonnenaufgang mit Teekanne.Kurz vor Beginn der Offenbacher Dreharbeiten baute ich einen 35mm Projektor, den ich und Ursula von Helmut Herbst zur Hochzeit bekommen haben, mit den brauchbaren Teilen des 16mm Projektors zusammen und versah ihn mit einem Lampenhaus aus einem Diaprojektor. Das funktionierte dann auch.


Der Projektor war ausserdem leichter und kleiner, sodaß ich ihn zusammen mit der Kamera auf einer Holzplatte befestigen konnte. Alles zusammen kam auf das schwere Askaniastativ, das auf einer Rollspinne stand. Auf diese Weise war dann flotteres Arbeiten möglic


Ein grosses Problem bei der Askania war für mich das Scharfstellen des Bildes auf dem Film. Die Askania hat ja keinen Reflexsucher, sondern das Bild wird direkt auf dem Filmmaterial scharfgestellt. Die von mir selbst eingebauten Objektive gehörten ursprünglich zu Leica-Kameras und hatten keine Bezug zu der Schärfenskala der Kamera. Das Sucherbild ist relativ dunkel und erschien mir nie scharf. Diese Schärfenproblem versuchte ich durch Testreihen in den Griff zu kriegen, löste sich aber dann erst durch den Kauf einer Brille.


Beim Drehen hatte ich immer noch eine ziemlich vage Idee, welche Szenen ich nun drehen sollte, und ob und wie die Geschichte wird.Anstatt den Film in einer einzigen Einstellung zu drehen, entschied ich mich bald für eine Auflösung durch Schnitte. Ich drehte eine Szene, kopierte und entwickelte sie sofort und überlegte mir am Schneidetisch, was als nächstes passieren könnte. Die Vorarbeit mit den Zeichnungen war mein Fundus, aus dem ich einige Dinge getreu übernahm, meistens aber nur Teilideen. In der Experimentierphase hatte ich immer noch vor, bei den mir verfügbaren filmischen Mittel aus den Vollen zu schöpfen, beschränkte mich jedoch relativ schnell auf einige Wenige. So habe ich Szenen, in denen ich mit überlagerten Bildern gearbeitet habe, wieder herausgenommen, weil sich der Trick zu vordergründig als Trick entlarvt. Die Logik dieser kleinen Welt sollte in der Unmöglichkeit der Dinge liegen, die da zusammenkommen.Die Menschen und Gegenstände sollten Materie sein und keine nebligen Erscheinungen. Konkret und greifbar.

(Auszug aus der Diplomarbeit)